Lieber Opa

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Lieber Opa,

Herzlichen Glückwunsch zu deinem 90. Geburtstag! Extra dir zu Ehren gibt es heute einen ganz besonderen Blogbeitrag (die jungen Leute von heute schreiben ja keine Briefe mehr)
Ach ja, und da dieses Blog in einer Welt spielt, die von Heiterkeit und Quatsch regiert wird, musst du dich noch fix verwandeln.

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Und mit einem Gläschen Küstennebel und einem guten Schluck Lebensfreude wird aus dem lieben Opa Herbert S. der treffsichere und technisch klar überlegene Kreativ-Boxer Herbert ‚Herry‘ Maske

Über Herry Maske

1924 wird er im idyllischen Dörfchen Lyck in Ostpreußen geboren. Er ist das dritte von schließlich 10 Kindern. Als Herry gerade mal zwei Jahre ist, baut sein Vater eine zweite Haushälfte damit die Großfamilie genug Platz hat.

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Der kleine Herry ist fasziniert davon, wie man mit den eigenen Händen etwas so Wertvolles wie ein Haus für eine Familie bauen kann. Das wird ihn prägen. Genau wie die wunderschöne Natur seines kleinen Dörfchens. Er liebt es im Lyck-Fluss zu angeln und er hat die nötige Geduld die dichksten Aale an Land zu holen. In seiner Heimat versucht er sich auch erstmals als Boxer. Bevor die ganz große Boxkarriere beginnen soll, macht er noch schnell eine Ausbildung zum Reparaturschlosser. Das fällt ihm leicht. Und als er dann gerade 19 ist und richtig durchstarten will, wird er von diesem gefährlich schlechten Chef von Deutschland zu einem Zwangs-Sabbatical nach Osteuropa verordnet. „Deutschland braucht mehr Land“ war die merkwürdige Begründung, die in den Zeitungen stand und über diese futuristischen Fernseher lief. Verstanden hat Herry das nicht. Zwei Jahre Krieg und drei Jahre Gefangenschaft folgen. Als die Reise endet hat er seinen ein Jahr jüngeren Bruder und die wunderschöne Heimat verloren. Er folgt seiner Familie, die nach Sachsen übergesiedelt ist. Die Menschen sprechen hier etwas komisch. Diesen Dialekt-Quatsch wird er nicht mitmachen. Plötzlich hat er auch wieder Glück.

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Es gelingt ihm, die fröhlichste schöne Prinzessin der Stadt zu heiraten. Auch sie hat ihr Königreich verloren. Zwei Kinder werden sie gemeinsam haben. Später folgen zwei Enkelkinder. Herry arbeitet als Reperaturschlosser im Press- und Schmiedewerk in Brand Erbisdorf, welches seinem Erfindergeist zahlreiche Innovationen zu verdanken hat. Und nebenbei ist er auch noch Mitglied der freiwilligen Feuerwehr und im Kegelverein. Gefeiert werden muss schließlich auch.

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Über 40 Jahre arbeitet er bevor er schließlich ganz zum rastlosen Rentner und lieben Opa wird. Seine Lieblingsfarbe ist blau. Blau wie die Erinnerung an seinen Lyck-Fluss und seine Liebe für das Meer.

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Geburtstags-Erinnerungen vom stolzen Enkel Gregório Jones

Irgendwann in unserem Schrebergarten in Chemnitz,
ich bin seit kurzem Teenager. Mein Opa erklärt mir mal wieder, wie man einen Fahrradschlauch selber flickt. Er ist sehr talentiert, wenn es darum geht Dinge zu reparieren oder zu bauen und  hat große Freude daran. Wichtig ist ihm, dass es nicht irgendwie hingeschludert ist, sondern dass die Qualität stimmt. Sonst lässt er es lieber. Er hat meinem Vater geholfen unser Gartenhäuschen zu bauen und Jahre später dann immer noch bei jedem Besuch in unserem neugebauten Haus im Garten mitgeholfen. Er ist so genau, dass er selbst Haustürschlüssel nachmachen kann. Ich bewundere das. „Du musst im Wasserbad schauen, wo die Luft aus dem Schlauch kommt“, erklärt er ruhig. Ich schaue zu und denke mir, dass ich wohl nie einen Job machen werde, der irgendetwas mit Technik zu tun hat. 😉
Mein Opa ist der Grund, warum es in meinem Blog jetzt noch Geschichten aus Ecuador gibt, obwohl ich längst in Rio bin. Mir macht es großen Spaß so lange über etwas nachzudenken bis es mir wirklich gut gefällt.

Irgendwann in Brand Erbisdorf, Sachsen, Deutschland,
Wir sitzen bei den Großeltern in der Stube auf der Couch. Der Opa schaut Boxen. Die Oma hat gerade die Geburtstagsgans in den Ofen geschoben. Jetzt schimpft sie mit dem Opa. Nach über 50 Jahre Ehe finden die beiden immer noch Kleinigkeiten, über die man sich mal ein bisschen fetzen kann. Da heute Boxen kommt, ist das aber keine Option für ihn. Seit ein paar Jahren hört er nicht mehr so gut und müsste eigentlich fast immer ein Hörgerät tragen. Heute hat er seine Spezialkopfhörer auf. Mit denen kann er zwar den Fernseher gut hören. Alles drum herum aber nicht. Clever, denke ich.
Ohne diesen Trick wäre ich den Horden von Kaufleuten in Südamerika wohl erlegen. „Enschuldigung. Nein, ich spreche kein Spanisch. Englisch auch nicht. Deutsch?“

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Irgendwann während eines Spaziergangs in meiner Heimat,
Wir sind spazieren. Der Opa liebt Spaziergänge. Normalerweise ist er nicht der Typ, der viel plaudert. Er wartet lieber auf den richtigen Moment um eine gute Pointe oder einen herben Scherz zu platzieren. Heute will er erzählen. Von seiner Jugend. Er erzählt mir vom Krieg und von der Gefangenschaft. Er erzählt von einer schweren Erkrankung, die ihn in ein Lazarett bringt. Die Ärzte untersuchen ihn. Wenig später ziehen sie den Vorhang zu und er hört sie reden. Sie geben ihm nicht mehr lange. Da bekommt er einen Schweißausbruch und beschließt zu kämpfen. Er ist sich sicher, dass er in diesem Moment genauso gut hätte sterben können. Ich überlege mir, dass es ohne ihn weder Mutti, Laura, noch mich gegeben hätte. Ich beschließe, dass ich genau wie ‚Herry‘ Maske auch eine Kämpfer sein will. Egal was andere und egal was ich selber sage.

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Opa, Ich wünsche mir, dass du uns noch viele Jahre inspirierst!

Geburtstags-Erinnerungen von der stolzen Enkelin Laura Koala

Gregório: Und damit gebe ich ab an die nächste Gratulantin. Rio ruft Australien. Schwesterherz, bist du da?
Laura: Bruderherz this is Melbourne calling.

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Wir haben es bis zur südlichen Spitze Australiens geschafft und Herbert Herry Maske hat definitiv nicht nur in Gregório Jones Südamerikaabenteuer einen Eindruck hinterlassen, nein auch Rangerin Laura Koala konnte seine Spuren bereits in Down Under entdecken. Die Einheimischen berichten von einem außergewöhnlichen Mann. Er trägt immer einen Beutel bei sich, ist aber doch kein Känguru. Er legt sich mittags in einem schattigen Plätzchen zur Ruhe, ist aber kein Koala, er läuft stundenlang durch die Prärie, ist aber kein Dingo. Für unsere Rangerin ist klar, wessen Spuren sie hier folgt. Auch Laura Koala erinnert sich während ihrer Reise immer wieder an Erlebnisse mit Herbert Herry Maske, ohne diese ihr Australienabteuer vielleicht anders verlaufen wäre.

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Laura Koala hätte sich sicherlich nie auf einen Roadtrip begeben, wenn nicht ihr Opa ihr als sie noch im Ranger-Nachwuchsalter war, eine wichtige Weisheit mit auf den Weg gegeben hätte. Die Welt erkundet man am besten draußen in der freien Natur und auf dem Rücken des eigenen Gefährts. Das eigene Gefährt war damals zwar kein cooler Van, sondern ein kleines rosafarbenes Fahrrad, bei dem der Opa noch persönlich die Stützräder vor kurzem entfernt hat, und statt die komplette Ostküste eines ganzen Kontinents abzufahren, haben wir uns auf den heimischen Erzenglerteich beschränkt, aber Roadtrip ist Roadtrip.

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Jeden Tag in den Ferien ging es mit dem Opa auf neue Erkundungstouren, egal ob zum nächsten Eisstand, an die Quelle oder in Herrys Wundergarten. Immer hat er es geschafft dort die wahrscheinlich leckersten Erdbeeren aus den Sträuchern zu zaubern. Einen grünen Daumen hatte der Opa schon immer. Und erfinderisch ist er. Für jedes Problem findet er eine Lösung. Egal ob ein Gegenstand kaputt war, oder einfach nur nicht richtig gepasst hat, der Herry kümmert sich drum. Um in Australien 5 Monate in einem etwas in die Jahre gekommenen Van zu überleben, ist diese Einstellung essentiell. So wurden Campingtische mit Duct-Tape repariert, ganze Fliegengitter ins Auto gebaut und Deckenbeleuchtungen kurzerhand mit festgebunden Taschenlampen konstruiert. Der Opa hätte es höchstwahrscheinlich ordentlich gemacht und so, dass es länger hält, aber mit dem Grundkonzept wäre sicherlich auch er zufrieden.

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Lieber Opa heute ist dein Geburtstag. So wie du dich sonst immer extra in das nächste Geschäft aufmachst um deiner Laurie etwas ganz besonderes noch zu besorgen, so soll symbolisch diese kleine Geschichte von uns heute die kleine besondere Geburtstagsüberraschung für dich sein. Alles Liebe zum Geburtstag oder wie man es in Australien sagen würde „Happy Birthday“. Lieber Opa bleib gesund und bleib vor allem genauso wie du bist.

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Das Beste am Reisen sind all die unerwarteten Begegnungen. Seit meinem Sabbatical in Südamerika reise ich daher mit neuer Mission durchs Leben: "Catching Smiles around the Globe." Ach ja ... Mich und meine Lächeln gibt's auch auf meiner Facebookseite, auf Instagram auf Snapchat und als schicken kostenlosen Newsletter. ¡Hasta luego amigo!

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Lieber Gregor, Liebe Laura,

    was für eine schöne Geschichte für und über euren Opa. Behaltet diese schönen Erinnerungen im Herzen und so ist er immer bei euch!

    Herzlichst,
    Synke

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