Meine verrückte Route durch Südamerika ‚Abschied von Kolumbien‘

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Eine Frage vorab: Was ist das erste woran du bei Kolumbien denkst? (Die Auswertung gibt’s am Ende der Geschichte)

Abschied von Medellin

im Pamtree-Hostel
„Huhuhu“ Don Miguel heuchelt scherzhaft ein paar Tränen. Madeluz dunkle Augen leuchten. Sie lacht. Auch Luz und Pilar sind da, um sich von mir zu verabschieden. Drei Wochen war ich in diesem Hostel. Es ist ein fröhlicher Abschied. Einer dieser Abschiede, wo man das Gefühl hat, nicht so wirklich zu gehen und sich stattdessen freut an einem zuvor unbekannten Fleck dieser Erde neue Freunde gewonnen zu haben, zu denen man jederzeit zurückkommen könnte.

etwas später, vorm Apartement von Philip und David,
„Pass auf dich auf und lass mal was von dir hören“ sagt der Deutsche Philipp (mit ihm, seinem Mitbewohner un dessen Freundin hatte ich mich absichtlich in den Anden verlaufen). „Du auch von dir.“ Und ich bin tatsächlich gespannt, wie sein Leben weiter verläuft und ob er in Medellin bleibt und seine Freundin nach dem Studium auch herkommt, oder ob er nach Deutschland zurück geht.
Mein Taxi kommt. Ich lege meinen Rucksack auf den Rücksitz und schließe die Tür um vorn einzusteigen. „Das würde ich nicht machen.“ gibt mir Philipp als Tipp auf den Weg. „Bei Taxis immer darauf achten, dass es nicht mit deinen Sachen wegfahren kann.“ Ich nehme mir vor aufmerksamer zu sein und düse zum Flughafen.

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Abschied von Bogota

etwas später im Flugzeug
Doña Patricia hatte extra noch betont wie schön die Landschaft zwischen Medellin und Bogotá ist. Zwei Kordillieren (Gebirgszüge) der Anden überquert man. Und nun wird der Blick von einem Typ im Anzug verdeckt, so dass ich den ganzen Flug über gar nichts von der Schönheit sehen werde. Ich freue mich trotzdem. Denn in weniger als einer Stunde werde ich wieder in Bogotá sein und neben Patricia auch Armando, Alejandro, Agnes&Oscar und Kung Fu Miguel wieder sehen.

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eine Woche später im Apartment von Agnes in Usaquen, Bogota
Eigentlich hätte ich schon längst den Bus nach Manizales nehmen sollen. Schließlich will ich diesmal bei Tag fahren, die schöne Landschaft genießen und pünktlich im Apartment von AP ankommen. Aber weder Miguel noch ich kommen so wirklich in die Gänge. Er surft auf Kung Fu Websiten und hört dabei Lieder von Manu Chao. Ich brauche wie immer ewig zum Packen meiner Sachen. Einfach nicht los zu kommen sei laut Miguel eine typisch kolumbianische Eigenschaft. Selbst die Sprache ist darauf angepasst. ‚Ahora‘ was eigentlich ‚jetzt‘ heißt, hat hier die Bedeutung ’später‘. ‚Ahorita‘ was eine Verniedlichungsform von ‚ahora‘ ist, bedeutet ‚gleich‘. Und wenn man wirklich ‚jetzt‘ los gehen will, muss man schon das Wörtchen ‚ya‘ benutzen, was eigentlich ’schon‘ heißt.

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vier Stunden später im Bus,
Ich schaue noch einmal aus dem Fenster und stelle erneut fest, dass er jetzt wirklich weg ist.
Der Nachteil von Tagbussen ist, dass man den Doppelsitz nicht für sich hat. Und die Frau neben mir, beansprucht nach meiner Auffassung mehr als ihr zusteht. Schließlich kommen wir doch ins Gespräch und sie wird mir sympathisch. Maria, heißt sie. Sie managt das musikalische Talent ihrer Tocher. Vielleicht wird aus Stefy mal ein weiblicher kolumbianischer Justin Biber. Sie zeigt mir Stefys YouTube Videos. Stefys Cover-Version eines mexikanischen Hits bleibt mir in Erinnerung: „Ya te olvidé“ „Ich hab dich schon vergessen“ Ich bin mir nicht sicher, ob ich Bogotá so schnell vergessen werde.

Manizales – Salento – Valle de Cocora – Cali – Pazifikküste

die nächsten Wochen gehören zu den schönsten des Sabbaticals

Ich wohne zuerst im Apartment der Amerikanerin AP, die eigentlich Amanda heißt, sich aber auf Facebook anders nennt, um sich vor ihren Schulkindern an der deutsch-englischen Schule zu schützen. Von ihrer Terrasse hat man einen traumhaften Blick über die kolumbianische Kaffeezone.

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AP organisiert mir auch den Besuch einer Kaffee-Finca und ich kann endlich diese wichtige Geschichte schreiben. Dass man hier statt eines frischgebrühten Kaffees oft nur einen Beutel Instantkaffee mit wahlweise heißem Wasser oder (schlimmer noch) heißer Milch bekommt, werde ich verschweigen. Auf der Kaffeetour von Ivanov&Angela war der Kaffee jedenfalls lecker.

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Dank AP erlebe ich auch ein zünftiges amerikanisches Halloween in Rockstar/Piraten-Verkleidung

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Im Valle de Cocora wandere ich vorbei an riesigen Wachspalmen, die mit bis zu 60 Metern Höhe die Größten der Erde sind.

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Ich sehe Kolibris aus nächster Nähe

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Zum ersten Mal in meinem Leben galoppiere ich ganz allein mit meinem weißen Schimmel durch die Weite und fühle mich frei wie nie. Ein gut trainiertes Pferd mit einem Reiter ohne jegliche Vorkenntnisse ist in Südamerika völlig ausreichend.

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In Cali gehe ich mit Caro und Ronin, Amir, Angela&Hernan und Alejandra Salsa tanzen und beschließe, dass ich Salsa am liebsten ohne Regeln mag.

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An der kolumbianischen Pazifikküste bin ich der einzige weiße Tourist und finde Freunde in den Dorfbewohnern Daniel und Yeisson.

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Abschied von Cali

1 Uhr nachts, in einem Taxi vom Busbahnhof
Ich bin genervt. Dieser Taxifahrer weiß nicht, wie er zur Adresse von Caro kommt und ich muss ihn mit meinem Smartphone navigieren. Caro hat gerade noch eine Nachricht auf mein kolumbianisches Handy geschrieben. Lange kann sie die Augen nicht mehr aufhalten, meint sie. Da der Akku fast leer ist, lege ich das kolumbianische Handy kurz aufs Armaturenbrett um ihr gleich zu schreiben, wenn ich vor der Tür stehe. Wegen einer Gasexplosion auf der Straße hat die Busfahrt von der Pazifikküste hierher statt drei, ganze zehn Stunden gedauert. Und der Busfahrer ist am Schluss so schlimm gefahren, dass sich selbst die Einheimischen aufgeregt haben.
„Da vorne an dem Berg! Da können Sie mich rauslassen.“ Endlich bin ich da. Der Taxifahrer rollt langsam den Berg rückwärts runter. Ich will Caro bescheid sagen, dass ich unten warte, da fällt mir auf dass ich mein kolumbianisches Handy auf dem Armaturenbrett liegen gelassen habe. „Señor, Señor“ rufe ich dem Taxi hinterher. Doch es ist zu spät. Auch Anrufversuche scheitern, da der Akku den Geist aufgegeben hat. Eine müde Caro nimmt mich in Empfang. Ich drücke ihr mein Gastgeschenk, eine Flasche Biche (hochprozentiger Schnapps von der Pazifikküste) in die Hand. Dann gehen wir beide schlafen.

Abschied von Kolumbien

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einen Abend später auf dem Marktplatz von Popayan,
Die Sonne geht gerade unter, in der weißen Stadt. Die weißen Haüser werden beleuchtet. Popayan gilt wegen seiner komplett restaurierten kolonialen Altstadt als eine der schönsten Städte Kolumbiens. Ich mache brav Fotos und bin in Gedanken bei meinem verlorenen kolumbianischen Handy. Es war nicht teuer, aber ich hatte alle meine kolumbianischen Freunde eingespeichert und ich hatte noch Guthaben, so dass ich sie jederzeit hätte anrufen können.
In Kolumbien kann man Minuten kaufen. Wenn man gerade kein Guthaben hat, geht man zu einem dieser Straßenhändler mit dem großen Minutenschild auf dem Rücken und dem Handy in der Hand. Ich kaufe mir ein paar mehr Minuten mit Miguel. Er freut sich, dass ich im schönen Popayan bin und empfiehlt einen Snack der Pipian heißt: kleine Kortoffel-Empanadas mit scharfer Erdnußsoße. Wir sprechen über vergangene Leben. Er glaubt daran. Ich weiß nicht so recht. Auf dieser Reise werden wir uns wohl nicht wieder sehen. Meine Reise führt mich über Ecuador, Argentinien und Brasilien zurück nach Deutschland. Und seine in ganz neue Höhen kolumbianischer Snackkultur.

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am nächsten Tag, im Bus auf der Panamericana Richtung Süden,
Die Pipian waren lecker. Ich lasse meinen Blick über die Berge schweifen. Doña Patricia hatte Recht gehabt. Die Berge sind wirklich wunderschön. Ich habe schon öfter Leute getroffen, die den Lebenstraum haben die ganze Panamericana von Alaska bis Feuerland entlang zu fahren. Mich bringt diese Straße gerade raus aus Kolumbien. Ich überlege was bleiben wird…

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Flashback, vor über einem Monat im Parque Piedras, Medellin, Kolumbien

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Wir sitzen in Paddelboot. Wir sind heute die Amerikaner Atma und Vicky, die Halbbrasilianerin/Halbdeutsche Isabel und ich. Der Himmel ist wolkenlos und das Wasser funkelt uns fröhlich an. Atma und ich paddeln. „Woran denkst du als erstes bei Deutschland?“ frage ich. „Ich würde sagen an Nazis“ In meiner Erinnerung verstummen in diesem Moment alle Vögelgesänge. Das Wasser hört mit der Funkelei auf. Meine und Isabels Mundwinkel schlafen ein. „Sie sind halt in Filmen so großartige Bösewichte“ versucht Atma die Situation aufzufangen. Er bemerkt, dass seine spontane ehrliche Antwort nicht so gut ankommt und versucht uns mit ‚Pünktlichkeit‘ und ‚guter deutscher Qualität‘ zu schmeicheln. Wir wechseln das Thema.

Über Kolumbien: Lieber Leser, bitte beantworte folgende Frage: Was ist das erste woran du bei Kolumbien denkst? …. Und das Zweite? …. Und das Dritte? Als ich Mitte letzten Jahres den Flug buchte, hatte ich keine Bilder und nur jede Menge Klischees im Kopf.
Man sagt, dass in Kolumbien die nettesten Menschen der Welt leben. Ich habe ein paar sehr nette Menschen getroffen. Und für den Fall, dass du mit deiner Antwort von eben nicht so recht zufrieden bist, empfehle ich zurückzuscrollen und auf ein paar Namen in dieser Geschichte zu klicken. Jede Person öffnet die Tür zu einer Geschichte. Aber vergiss nicht zu lächeln.

Irgendwann werden die Namen der Orte, die man besucht hat zu Synonymen für die Menschen, die man getroffen hat.

me falta mi Colombia y la nevera Bogotá

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Das Beste am Reisen sind all die unerwarteten Begegnungen. Seit meinem Sabbatical in Südamerika reise ich daher mit neuer Mission durchs Leben: „Catching Smiles around the Globe.“ Ach ja … Mich und meine Lächeln gibt’s auch auf meiner Facebookseite, auf Instagram auf Snapchat und als schicken kostenlosen Newsletter. ¡Hasta luego amigo!

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Als das Reiseziel Kolumbien feststand, waren Begriffe wie „Drogenkartell“ und „FARC“ gegenwärtig. Der „Bildungsbürger“ hatte halt seine medialen Hausaufgaben gemacht. Heute würde ich zwar die „Papaya“ auch nicht zeigen, aber die gleiche Freude an der Begegnung mit den Menschen haben. Regelrecht neidisch bin ich auf „Krabben in Kokossoße“.

  2. Als das Reiseziel Kolumbien feststand, waren Begriffe wie „Drogenkartell“ und „FARC“ gegenwärtig. Der „Bildungsbürger“ hatte halt seine medialen Hausaufgaben gemacht. Heute würde ich zwar die „Papaya“ auch nicht zeigen, aber die gleiche Freude an der Begegnung mit den Menschen haben. Regelrecht neidisch bin ich auf „Krabben in Kokossoße“.

  3. ich will ehrlich sein:
    1. Kokain und Gefahr
    2. Musik, Tänze und Lebensfreude; liebe Menschen
    3. grün
    ich weiß nicht genau. Irgendwie hätte ich die Frage gern gehabt bevor ich deine Geschichten gelesen hab. Wäre selbst interessiert, wie ich dann geantwortet hätte.

  4. ich will ehrlich sein:
    1. Kokain und Gefahr
    2. Musik, Tänze und Lebensfreude; liebe Menschen
    3. grün
    ich weiß nicht genau. Irgendwie hätte ich die Frage gern gehabt bevor ich deine Geschichten gelesen hab. Wäre selbst interessiert, wie ich dann geantwortet hätte.

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Keine Lächeln verpassen :-)schliessen
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