Freunde-Finde-Folge 3: Der Deutsche-Ansprechen-Trick

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Man ist im Ausland. im Urlaub. Will Land und Leute kennen lernen. Der Erste und der Einzige sein, der sich an einem Traumstrand sonnt, der unter mystischen Wasserfällen badet und der mit echten Einheimischen auf Du und Du ist. Und dann das: Ganz in der Nähe ertönen Stimmen. „Aber heut Omd esse mo ma so ne zünftge Fäschoade (Feijoada = brasilianisches Nationalgericht) an der Copacabana'“ AAAAAHHH!!! Deutsche! Es ist der Alptraum jedes deutschen Reisenden auf einer Reise plötzlich andere Deutsche zu treffen. Der gemeine Deutsche ist jetzt um Schadensbegrenzung bemüht. Er verhält sich ganz ruhig um trotz krebsroter Haut, Geldgürtel und zweifelhaften Mode-Entscheidungen nicht von dem anderen auch als Deutscher enttarnt zu werden. Er lauscht gespannt um sich später mit seinen Freunden darüber aufzuregen, was die anderen Deutschen doch wieder für einen Quatsch erzählen und wie wenig individuell sie doch reisen. Mit über 80 Millionen Einwohnern und der positiven deutschen Eigenschaft reiselustig zu sein, lassen sich solche Situationen nicht vermeiden. Und als Alleinreisender bieten sie einmalige Chancen.

Wie geht das?
Sobald der andere Deutsche erkannt ist mit einem Lächeln auf ihn zu gehen und feststellen „Ah, auch aus Deutschland.“ Jetzt kommt der harte Teil. Der andere Deutsche wird sich höchstwahrscheinlich nicht freuen so einfach enttarnt worden zu sein. Möglicherweise hat er gar dunkle Haare und spricht ganz ordentlich Spanisch. Ihr müsst euer Lächeln jetzt durchhalten und die Frage stellen, die jede andere Nation ganz selbstverständlich auch fragen würde: „Und woher genau kommst Du?“ Dieser Teil ist leider auch schwer, da wir in Deutschland dazu neigen einen Lokalpatriotismus zu entwickeln der andere Regionen etwas abwertet. Auch wenn du beispielsweise München eigentlich zu versnobbt und viel zu teuer findest, ist es jetzt wichtig etwas Positives zu sagen. „München ist wirklich schön. Besonders der englische Garten im Sommer und diese Biergarten-Kultur wo sich alle Gesellschaftsschichten wie selbstverständlich mischen gefallen mir gut.“ Zugleich ist es ratsam die eigene Stadt nicht zu sehr zu verherrlichen. Ich wohne beispielsweise in Berlin, was nun zweifelsfrei die beste deutsche Stadt ist ;-), ergänze aber, dass ich in Chemnitz aufgewachsen bin, was den Gegenüber in eine Gefühlszustand zwischen Bewunderung, Mitleid und Neugier versetzt. In jedem Fall passiert sobald diese harte Einleitung überstanden ist etwas Wunderbares: Man hat jemanden gefunden, mit dem man sich auf einer tieferen kulturellen Ebene versteht.

am wahren Mittelpunkt der Erde, in La Mitad del Mundo, Ecuador
Franklin hatte mir verraten dass es neben dem Mittelpunkt der Erde für Touristen noch einen wahren Mittelpunkt der Erde gibt. Mittelpunkt der Erde bezeichnet die Linie auf dem der Äquator Nord- und und Südhalbkugel trennt.

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Nach dem ich meine Pflichtfotos beim Touri-Denkmal gemacht habe, bin ich hierher gekommen. Und hier ist es tatsächlich viel aufregender. Man kann auf dem Äquator balancieren, was durch die Fliehkräfte, die von Norden und Süden wirken, gar nicht so einfach ist. Direkt auf dem Äquator fließt Wasser nämlich ohne Drehung ab. Bereits fünf Meter nördlich mit Links- und fünf Meter südlich mit Rechtsdrehung.

Wer will kann auf Grund der Kräfte auch ein Ei auf einem Nagel balancieren . Meine neue deutsche Bekanntschaft Kristin macht Fotos. Wir haben uns direkt am Anfang der kleinen Führung hier kennengelernt. Und das war die Einleitung:

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Gregório: De donde eres?
Kristin: De Alemaña
Gregório: Ah, auch deutsch?
Kristin: Ja. Hab ich mir bei deinem Akzent auch schon gedacht.
(Das ist nicht ganz die Antwort, die ich hören wollte, aber meine Freundlichkeit hält das aus)
Gregório: Und wo kommst du genau her?
Kristin: Ich wohne in Erlangen.
Gregório: Ah, cool
Kristin: Und du?
Gregório: Ich wohne in Berlin. Ursprünglich komme ich aus dem Osten.
Kristin: Ich komme ursprünglich aus Freiberg
(spätestens jetzt ist mein Lächeln ehrlich)
Gregório: Ach ne. Das ist ja verrückt. Ich komme aus Chemnitz und als Kind war ich immer zu Besuch bei meiner Oma in Brand Erbisdorf bei Freiberg. Kennst du ….

Was es mir gebracht hat?
– Gespräche auf Augenhöhe. In Fremdsprachen muss man immer ein bisschen schwindeln, wenn man nicht alle Vokabeln weiß.
– eine gute Erklärung wie das mit diesen öffentlichen Elektrobussen in Quito funktioniert
– eine Einladung in eine American Sportsbar
– Kristin hatte mich fast überzeugt mit ihr in den ecuadorianischen Dschungel zu fahren
– ich hätte Kristin fast überzeugt mit mir nach Galapagos zu fahren

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zwei Tage später in einem deutschen Kaffee in dem für seine Schmetterlinge berühmten ecuadorianischen Städtchen Mindo,
Ich schlürfe meinen Kaffee. Preislich liegt der mit zwei Dollar weit über dem was die anderen Cafés verlangen. Dafür kommt hier ein Qualitäts-Kaffeeautomat zum Einsatz. Eine deutsche Bedienung bringt mir mein Frühstücks-Müsli:

ich: Woher kommst Du?
sie: Ursprünglich aus Chemnitz.
ich: Krass. Ich auch. Welche Schule?
sie: Goethe-Gymnasium.
ich: Nein! das gibt’s ja nicht! Ich auch. Und … und welche Leistungskurse?
sie: Deutsch und Englisch.
ich: Ja, ich auch. Wenn man’s bisschen drauf hat, ist das am Einfachsten… Und bei welchen Lehren?
sie: Englisch bei Frau Seidel. Und Deutsch bei Frau Meier
ich: Das gibt’s doch gar nicht. Ich auch. Krass
(wir sind beide ganz euphorisiert)

Hausaufgabe: Wenn ich wieder mal in Chemnitz bin unbedingt Susan, Scully, Patricia und Haubi kontaktieren um zu fragen, ob sie noch Kontakt zu Frau Meier oder Frau Seidel haben und ihr dann den Link zu dieser Geschichte weiterleiten.

Oder (um es wie eine ehemalige deutsche Erfolgs-Show zu sagen)

Wetten dass ihr es nicht schafft, die beiden zu kontaktieren und sie dazu zu bringen hier einen Kommentar zu schreiben.

Mein Wetteinsatz: Wenn ihr’s schafft, lade ich euch alle auf einen leckeren deutschen Streusel-Kuchen in Chemnitz ein.

Next: Freunde-Finde-Trick Nummer 4: Der Sag-Ja-Trick

Das Beste am Reisen sind all die unerwarteten Begegnungen. Seit meinem Sabbatical in Südamerika reise ich daher mit neuer Mission durchs Leben: "Catching Smiles around the Globe." Ach ja ... Mich und meine Lächeln gibt's auch auf meiner Facebookseite, auf Instagram auf Snapchat und als schicken kostenlosen Newsletter. ¡Hasta luego amigo!

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Tja, da sprichst Du wahre Worte! Ich finde es erstaunlich, wie man uns deutsche doch tatsächlich oft schon auf die Entfernung am Äußeren erkennt. Da wird die CI, die Corporate Identity zu Country Identity. Und auch wenn man sich dieser CI vermeintlich überlegen fühlt, so wird man selbst doch genauso in dieses Muster passen …

  2. Tja, da sprichst Du wahre Worte! Ich finde es erstaunlich, wie man uns deutsche doch tatsächlich oft schon auf die Entfernung am Äußeren erkennt. Da wird die CI, die Corporate Identity zu Country Identity. Und auch wenn man sich dieser CI vermeintlich überlegen fühlt, so wird man selbst doch genauso in dieses Muster passen …

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